Pädagogik und Bewegungskindergarten

Ursprung

Die Idee der Bewegungskindergärten wurde 1996 geboren. Damals wie auch heute stellten Mediziner und Pädagogen fest, dass Kinder immer mehr Schäden durch Bewegungsmängel aufweisen. Es entstanden erste Bewegungskindergärten unter Trägerschaft von Sportvereinen um einen Ausgleich zu schaffen. Seit 1999 verleiht der Landessportbund NRW das Zertifikat „anerkannter Bewegungskindergarten“. Inzwischen kann sich jeder Kindergarten, der die Voraussetzungen erfüllt um das Zertifikat bewerben.

Auf dem Weg zu einem Bewegungskindergarten!

Nachdem sich das Team inhaltlich schon längere Zeit mit dem Bewegungskindergarten auseinandergesetzt hatte, wurde der Prozess, die formalen Voraussetzungen für einen Bewegungskindergarten zu erfüllen, im September 2007 eingeleitet. Am 21. September 2008 wurde uns das Zertifikat „Bewegungskindergarten“ offiziell überreicht.

Kooperationspartnerschaft mit örtlichem Sportverein

Es besteht mit dem örtliche Sportverein (SSV Merten) eine Kooperation im Anfangsstadium. In diese Zusammenarbeit soll der Öffentlichkeitsausschuss und somit auch unsere Eltern mit einbezogen werden.

Qualifikation der ErzieherInnen

In der ersten Stufe haben 5 GruppenmitarbeiterInnen und die Leitung die sogenannte B-Lizenz erworben. Die B-Lizenz ist eine Sonderausbildung des deutschen Sportbundes. Sie umfasst 70 Unterrichtseinheiten zur Bewegungserziehung im Kleinkind- und Vorschulalter. Mittelfristig ist geplant, dass alle festangestellten GruppenmitarbeiterInnen die Qualifikation erwerben. Der Kenntnisstand wird durch regelmäßige Fortbildungen aktualisiert und ergänzt.

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Handlungsrahmen und Konzeption

Der Landessportbund (LSB-NRW) ist bestrebt, dass die Bewegungserziehung praxisnah in der Kindertagesstättenarbeit umgesetzt wird. Dazu hat der LSB einen umfangreichen Handlungsrahmen entwickelt, der die Basis für ein pädagogisches Konzept liefert. Die konzeptionelle und inhaltliche Struktur zur Bewegungserziehung wird im großen Team bzw. ergänzend im Arbeitskreis Bewegung erarbeitet und beständig weiterentwickelt.

Zielsetzung der Konzeption

Der gesteigerte Medienkonsum (Fernsehen, Computer und Videospiele) und durch die veränderten Umweltbedingungen (z. B. weniger Kinder, Unverständnis der Anwohner und mehr Verkehr) ist es vielen Kindern nicht mehr möglich frei und selbstbestimmt zu spielen. Auch Kinder aus bildungsnahen Gesellschaftsschichten sind zunehmend betroffen von mangelnden Bewegungserfahrungen. Daraus entsteht die Zielsetzung, den Bewegungsmangel auszugleichen, Kindern fehlende Erfahrungen zu ermöglichen und dem Bewegungsmangel vorzubeugen. Die Bewegungserziehung ist grundlegend verankerter Bestandteil unseres pädagogischen Gesamtkonzepts/Handlungsrahmens, welcher vom Leitbild des situationsbezogenen Ansatzes geprägt ist. Dabei sehen wir die Bewegungserziehung integriert in einer ganzheitlichen Erziehung. Nach Balster * „gibt es ohne Bewegung keine ganzheitliche Erziehung, keine Persönlichkeitsentwicklung und damit keine Identitätsentwicklung“.
* Klaus Balster – Kinderwelt = Bewegungswelt – oder nicht? LSB 2002

Stellenwert der Bewegungserziehung

Die Bewegungserziehung ist in unserem Tagesablauf fest eingebunden. Dies wird deutlich in der praktischen Umsetzung der Bewegungserziehung, sowohl in den geplanten Angeboten wie auch in den Freispielzeiten, (tägliche Aufenthalte im Freien, geplante Aktionen – wie Fahrzeugtag, Wellnesstage, Waldtage/Waldwoche, Turntage, Musik- und Tanzaktionen, Yoga für Kinder, usw.)

Bedeutung der Bewegungserziehung für die Kinder

Bei aller Aktivität soll für die Kinder der Spaß im Vordergrund stehen. Leistungsportliche Ansprüche werden keine gesetzt. Die Kinder sollen dabei durch Bewegung ihre eigenen Fähigkeiten weiter entwickeln und ihren Körper erfahren. Sie lernen Risiken einzuschätzen und erfahren eine Stärkung der Persönlichkeitsentwicklung.

Bewegungserziehung und Elternarbeit

Im Rahmen unserer regelmäßigen Gruppenelternabenden werden den Eltern die Ziele, Bedeutung und die Inhalte der Bewegungserziehung näher gebracht. Durch die Präsentation der praktischen Inhalte unserer täglichen Arbeit wollen wir den Eltern auch Ängste nehmen. In einem Bewegungskindergarten ist nicht alles den sportlichen Aktivitäten untergeordnet, sondern diese fügen sich in die vielfältigen Aktionen eines Kindergartentages ein.

Dokumentation

Entsprechend den Vorgaben der Bildungsvereinbarung mit dem Land Nordrhein-Westfalen besteht die Verpflichtung Bildungsarbeit zu dokumentieren. Wir verstehen die Bewegungserziehung als Bildungsarbeit und wird somit beständig dokumentiert.

Bewegungsräume

Die Rappelkiste hat einen großen Mehrzweckraum, der mit entsprechenden Materialien ausgestattet ist (Gymnastikwagen, Klettergerüst, Rhythmikkästen, Alltagsgegenstände, Turngeräte usw.). Die Gruppen haben einen festen Turntag, den die Gruppen selbst gestalten. Zusätzlich wird gruppenübergreifendes Turnen angeboten. Im Vordergrund stehen spielerische Geschichten (z. B. eine Reise nach Afrika), welche in Bewegung umgesetzt werden. Nach dem Mittagessen wird die Turnhalle als Ruheraum genutzt. Danach steht die Turnhalle den Kinder zur freien Verfügung oder für angeleitete Bewegungsbaustellen und Spiele. Musik und Tanz sind ebenso feste Bestandteile der Angebote im Turnraum wie auch in den Gruppenräumen. Dort gibt es den Bedürfnissen der Kinder entsprechende Nischen und Ecken, die Platz bieten für Rollenspiele, Bewegung und Entspannung. Unser Außengelände verfügt über vielfältigen Möglichkeiten zum spielen und um sich auszuprobieren. Beliebtester Platz der Kinder ist das Hanggelände mit integrierter Hangrutsche. Darüber hinaus nutzen die Gruppen der Rappelkiste die örtlichen Gegebenheiten (öffentlicher Spielplatz, Basketballanlage, Bolzplatz, Wald, welche unmittelbar an das Grundstück der Rappelkiste angrenzen und die Schulturnhalle in der weiteren Umgebung).

Der Tagesablauf und Bewegungserziehung!

Leitbild ist die Freude an der Bewegung und Freude an der körperlichen Aktivität. Neben regelmäßig angeleiteten Bewegungsangeboten, werden entsprechend dem situationsbezogenen Ansatz spontane Bewegungsideen aufgegriffen und umgesetzt. Bewegungserziehung beinhaltet aber nicht nur Aktivität sondern auch Ruhe und Entspannung im Tagesablauf. Grundsätzlich müssen im Tagesablauf/Wochenplan/Jahresplan folgende Punkte berücksichtigt werden: Bewegung im Freispiel, angeleitete Bewegungsangebote, Förderung von Kindern mit mangelnden Bewegungserfahrungen, Bewegungsprojekte und evt. integratives Arbeiten falls Kinder mit Behinderung in der Gruppe aufgenommen sind.

Team und Bewegungserziehung

Zukünftig strebt das Team an, dass alle festangestellten MitarbeiterInnen die Ausbildung „Bewegungserziehung im Kleinkind und Vorschulalter“ absolvieren werden. Durch diese Ausbildung wird der Focus mehr auf ein ganzheitliches Bewegungs-, Spiel- und Sportverständnis gelenkt. Die Bewegungserziehung und die Nutzung der sich bietenden Möglichkeiten findet bewusster statt und wird beständig im Erzieherteam thematisiert. Durch die Konzeption Bewegungskindergarten steht das Team in seiner Gesamtheit in der Pflicht sich beständig fortzubilden und neue Anregungen aufzunehmen.

Träger und Bewegungserziehung

Der Träger der Einrichtung Rappelkiste e.V. ist eine Elterninitiative. Durch diese Konstellation kommt der Elternarbeit in den Gruppen nochmals eine besondere Bedeutung zu. Durch das geweckte Interesse der Eltern am Bewegungskindergarten ist die Unterstützung durch den Vorstand des Vereins gewährleistet. Der Verein fördert die Entwicklung zum Bewegungskindergarten nicht nur durch finanzielle Unterstützung sondern auch durch aktive Mitarbeit, z. B. in Form von Handwerkertätigkeiten, Öffentlichkeitsarbeit und Zusammenarbeit mit dem örtlichen Sportverein.

Bewegungskindergarten und Öffenlichkeitsarbeit

Die Öffentlichkeitsarbeit in unserer Einrichtung ist groß geschrieben. Schon seit Gründung der Rappelkiste gibt es einen Elternausschuss Öffentlichkeitsarbeit, der sich um Medienarbeit, zusätzliche Einnahmen, Veranstaltungen, öffentliche Präsenz im Ort und der Zusammenarbeit mit den örtlichen Institutionen kümmert. Dies geschieht in Zusammenarbeit mit Vorstand, Team bzw. Leitung.

Unser pädagogisches Handlungskonzept!

An Hand unseres Handlungskonzepts versuchen wir unsere pädagogische Arbeit fachlich und inhaltlich transparent zu machen. Wir bedienen uns dabei des "Balancemodells", von Prof. Dr. med. Peseschkian - Arzt, Psychotherapeut und Begründer der "positiven Psychotherapie" und Familientherapie, dargestellt durch eine Raute!

Die vier Qualitäten des Lebens!
Sie werden als Balancemodell durch vier Seiten bzw. Ecken einer Raute symbolisiert. Im Sinne von Gesundheit, ist es erstrebenswert für alle Bereiche ungefähr die gleiche Energie (nicht Zeit) aufzuwenden (deswegen auch die Bezeichnung Balancemodell). In der praktischen Arbeit bedeutet das, daß die Angebote innerhalb eines Tagesablaufs zueinander in Balance stehen!


Beispiele unserer pädagogischen Arbeit sind:
situationsorientierter Ansatz, Gemeinschaftserfahrungen, Sport, Freispiel, Ausflüge, Kochen, Musik, Übernachtungen, Theater, Backen, Basteln, Töpfern, Stuhlkreis, Verkehrserziehung, Sprachförderung, Umwelt, Waldtag, Umgang mit Naturmaterialien, Projekte, Sinneserfahrungen, Vorschulerziehung, usw..